Colin Firth ist Mr. Darcy

 

- Love at Firth sight - 

























 


 

 



 



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nennt mich bitte nicht Mr. Darcy!

 

In einem Interview hat sich Colin Firth einst beschwert:
Sollte ich einmal vorhaben, meinen Beruf zu wechseln, um Astronaut zu werden und dann zum Mars fliegen wird es 
bestimmt in der Presse heißen: Mr. Darcy betritt als erster Mensch den Mars!

Aber, wie soll man bitteschön einen Mann nennen, der immerhin dreimal Mr. Darcy gespielt hat? Keine Frau des 'Bridget-Jones-Zeitalters' hat sich je eine eigene Vorstellung über den Pride & Prejudice Helden gemacht, sie interessiert auch nicht die Riege von Schauspielern, die diese Rolle vor ihm verkörpert haben. Nein, es kann nur einen Mr. Darcy geben, einen mit dunklen, braunen Naturlocken, mit suchendem Blick aus sensiblen Augen, gekleidet mit einem nassen Hemd von einem Bad in dem berühmten See - das ist Mr. Darcy, das ist Colin Firth.

Ein Mann, der in seinem Leben schon viel herumgekommen ist.
Geboren in Grayshott, Hampshire, am 10. September 1960, hat er die ersten Jahre seines Lebens in Nigeria verbracht. Seine Eltern, beide Kinder von Missionaren, arbeiteten dort als Lehrer. Die Familie ließ sich anschließend in England nieder, verbrachte dann ein Jahr in den USA, in St. Louis, und zog wieder zurück nach England, wo sie schließlich in Winchester eine neue Heimat fanden.

Mit 18 Jahren ging Colin Firth nach London und schloss sich dem National Youth Theatre an. Später studierte er am renommierten London Drama Centre, wo nach der Stanislawski-Methode unterrichtet wurde (der russische Schauspieler und Schauspiellehrer Konstantin Stanislawski hatte für den Schauspielunterricht ein System entwickelt, in dem die Glaubwürdigkeit des Geschehens auf der Bühne im Vordergrund steht. Seine Schüler brachten Stanislawskis Erkenntnisse nach Nordamerika, wo sie von Schauspiellehrern wie Lee Strasberg weiterentwickelt wurden und heute unter dem Begriff Method Acting bekannt sind).

Bald wurden Talentscouts auf Colin Firth aufmerksam und er wurde als Ersatzmann für Daniel Day-Lewis in dem West-End Hit Another Country als Guy Bennett an der Seite von Rupert Everett verpflichtet. Everett war von Colins schauspielerischen Leistungen so beeindruckt, dass er ihm für die anstehende Verfilmung des Bühnenstückes eine Rolle anbot. Da Everett selber bereits als Guy Bennett unterschrieben hatte machte Colin Firth somit 1984 sein Leinwanddebüt als dessen Freund Tommy Judd - ein voller Erfolg!

Mit Rupert Everett verstand er sich allerdings weniger. Dieser fand ihn angeblich zu verbissen und humorlos, einen rotangehauchten Sozialisten ... na ja, was kann man von einem Stanislawski-Schüler auch anderes erwarten? Everett, immerhin, hat ja dann als Madonnas bester Freund eine große Karriere gemacht ...

Aber Colin Firth war schon damals niemand, der es auf den großen Leinwandruhm abgesehen hatte und so ging er anschließend erst einmal wieder zum Theater zurück - noch lernte er ja noch ...
Der nächste Meilenstein folgte mit Apartment Zero, ein seltsamer, manchmal sogar gruseliger Film nach Art Fellinis und ein weiteres Indiz dafür, dass Colin Firth auf dem Weg zu einem ernstzunehmenden Schauspieler war.

Als der renommierte Regisseur Milos Forman ihm die Titelrolle in Valmont anbot, eine Verfilmung nach dem berühmten Roman von Choderlos de Laclos, stand dem internationale Durchbruch eigentlich nichts mehr im Wege. Tatsächlich war es eine exzellente Produktion, doch das Schicksal wollte es, dass im gleichen Jahr mit Dangerous Liaisons ein weiterer Film nach dem gleichen Roman in die Kinos kam und mit dem Staraufgebot von John Malkovich, Glenn Close, Michelle Pfeiffer, Uma Thurman und Keanu Reeves konnte Colin Firth naturgemäß (noch) nicht mithalten.

 

Seine Enttäuschung über den Misserfolg des Films hielt sich in Grenzen, lernte er doch während den Dreharbeiten seine spätere Lebensgefährtin Meg Tilly, die die Madame de Tourvel (Michelle Pfeiffers Rolle in Dangerous Liaisons) spielte, kennen, mit der er einen Sohn hat, Will, der 1990 geboren wurde.

Anfang der neunziger Jahre war es aus diesem Grund auch etwas ruhig geworden um Colin Firth. Zusammen mit seiner kleinen Familie zog (flüchtete?) er nach Kanada, nach British Columbia, in eine Holzhütte im Wald, wo elf Monate im Jahr der Schnee so hoch lag, dass man noch nicht einmal die Haustür öffnen konnte ... Nach zwei Jahre Wildnis ging Colin dieser klaustrophobische Zustand so dermaßen auf den Wecker, dass er sich bei verschiedenen Theatern in Vancouver um ein Anstellung bewarb, aber er bekam nur Absagen. In dieser Zeit endete dann auch seine Beziehung zu Meg Tilly.

Colin Firth kehrte nach England zurück und musste praktisch wieder bei Null beginnen. Den ersten internationalen Erfolg nach diesem Neuanfang feierte er 1995 mit Circle of Friends an der Seite von Minnie Driver.

Und dann geschah es.

Produzentin Sue Birtwistle bot ihm die Rolle des Fitzwilliam Darcy in Pride & Prejudice an - und Colin lehnte ab! Doch Sues Überredungskünste fruchteten schließlich und letztendlich willigte er dann doch ein, diesen schwierigen Part zu übernehmen (siehe auch P & P - Die Verfilmung). Und in dieser turbulenten Liebesgeschichte zwischen Darcy und Jennifer Ehles Lizzy Bennet eroberte er die Herzen von Millionen! Und auch Ehles Herz, mit der eine kurze Affäre hatte, die allerdings angeblich schon vor Beginn der Dreharbeiten wieder vorbei war ...

Wie wir es schon ahnen hat Colin Firth nie versucht, aus seinem neu entstanden (und von ihm immer mit Argwohn betrachteten) Sex-Symbol Image Profit zu schlagen, sondern ganz im Gegenteil. Jetzt endlich war die Zeit gekommen, seinen Pride & Prejudice Ruhm dafür zu nutzen, sich für die interessanten Rollen, für die er so hart am London Drama Centre studiert hatte, zu empfehlen.

1996 machte er in zwei Großproduktionen von sich reden. Zum einen das mit 8 Oscars ausgezeichnete Drama nach dem Roman von Michael Ondaatje Der englische Patient als Ehemann von Kristin Scott-Thomas, den diese mit Ralph Fiennes betrügt und zum anderen in der TV Mini-Serie Nostromo (jetzt als Ehemann von Kristins Schwester Serena Scott-Thomas), als Besitzer einer Silbermine in Südamerika.

Am Set von Nostromo lernte er dann auch seine zukünftige Frau Livia Guiggioli kennen, eine italienische Dokumentarfilmerin. Die beiden heirateten 1997 in der Toscana und haben zwei Söhne, Luca und Mateo.

Und auch auf der Karriereleiter ging es nun immer weiter nach oben.

In Nick Hornbys Fever Pitch spielte er einen fußballverrückten Lehrer, der mit seiner Leidenschaft für den Fußballklub Arsenal seine Beziehung zu Filmpartnerin Ruth Gemmell aufs Spiel setzte.

 

 

Es folgte King Lear in Iowa, A Thousand Acres, nach dem Pulitzer-Preis gekrönten Roman von Jane Smiley, in dem Colin als hübscher Nachbarsjunge gleich mit Michelle Pfeiffer und Jessica Lange ins Bett gehen durfte...

Es folgte ein weiterer oscar-preisgekrönter Film mit Shakespeare In Love, in dem er als schmieriger Lord Wessex zwar letztendlich Gwyneth Paltrow bekommt, deren Liebe aber eigentlich Joseph Fiennes alias Shakespeare gilt ... das zweite Mal, dass Colin durch einen Fiennes zum gehörnten Ehemann wird - das Leben ist hart!

Und dann kam Mr. Darcy zurück!

Wir gehen noch mal kurz zurück ins Jahr 1995 – ihr wisst schon, dass Jahr von Pride & Prejudice. Die Rolle des Mr. Darcy machte ihn damals zumindest in seiner Heimat zum Star und zum 'Herzensbrecher' wider Willen (O-Ton Firth: Es ist schon seltsam, mit 40 noch zum Sexsymbol zu werden).

Eines dieser gebrochenen Herzen war das der britischen Journalistin Helen Fielding, die in dieser Zeit gerade im 'Independent' ihre sehr witzige Bridget-Jones-Kolumne schrieb – die Geschichte einer ziemlich chaotischen aber irgendwie doch auch wieder sehr normalen Mitdreißigerin. Diese Kolumne war so erfolgreich, dass Helen Fielding daraus einen Roman machte – Das Tagebuch der Bridget Jones.

Ich war so verknallt in Mr. Darcy aus Pride & Prejudice, dass ich Bridgets große Liebe einfach 'Mark Darcy' nannte, gibt Helen Fielding unumwunden zu. Und sein Aussehen entsprach exakt dem von Colin Firth. Ich hatte tatsächlich ein bisschen Angst, dass der Schauspieler sich über die zu starke Ähnlichkeit beschweren würde.

Nun, das tat er nicht, aber ein wenig seltsam kam es ihm schon vor, was ihm da Bekannte von seiner neuesten 'Rolle' erzählten und er gab später auch zu, ab und zu mal in den Independent geschaut zu haben, um zu sehen, was Helen Fielding denn so über 'ihn' schrieb ...

Englands größte Produktionsfirma Working Title Films erwarb die Rechte für eine Verfilmung, obwohl das Buch zu diesem Zeitpunkt noch nicht der Riesenbestseller war, der er kurz darauf werden sollte. Als das Buch herauskam, verkaufte es sich schon sehr gut, aber erst als das Taschenbuch erschien, erreichte es Platz 1!
Während der Entwicklung des Projektes explodierten die Verkaufszahlen des Romans, der in 30 Ländern veröffentlicht wurde und sich über vier Millionen Mal verkaufte, förmlich.

Um eine erfolgreiche Umsetzung vom Buch auf die Leinwand zu garantieren, baten die Produzenten den erfahrenen Autor Andrew Davies (ja, genau, der Drehbuchautor von Pride & Prejudice) zur Zusammenarbeit mit Helen Fielding. Auch Regisseur Richard Curtis, ein Freund von Helen Fielding, brachte seine Erfahrungen in die Drehbuchumsetzung mit ein.
Aber niemals in meinen wildesten Träumen, so Helen Fielding, hätte ich mir vorgestellt, dass Colin Firth in der Filmversion Marc Darcy spielen würde! Aber genau so passierte es.

 

Die Bridget Jones Verfilmung wurde ein weltweiter Erfolg und spielte über 71 Millionen Dollar ein. Darum war es nur natürlich, dass man unbedingt auch Helen Fieldings zweiten Roman 'Bridget Jones – Am Rande des Wahnsinns', verfilmen wollte. Es gab kein Entrinnen – Mr. Darcy musste zum dritten Mal ran, auch wenn Colin Firth zögerte und erst unterschrieb, als René Zellweger und Hugh Grant bereits zugesagt hatten und sichergestellt war, dass das gleiche Drehbuchautoren-Team wieder mit dabei sein würde.

Für ihren Fortsetzungsroman hatte sich Helen Fielding extra mit Colin Firth (den sie konsequenterweise immer mit Mr. Darcy anredet ...) in Rom getroffen, um ein Interview zu führen. Sie spielte die Bridget und Colin Firth .... nun, er spielte Colin Firth, oder jedenfalls einen sehr ernsthaften Schauspieler, eine Mischung vielleicht zwischen ihm und Mr. Darcy. Sehr steif, ernst und ziemlich ungeduldig. Das Resultat kann man mit dem größten Vergnügen nachlesen – es ist das absolute Highlight des zweiten Buches (Bridget Jones interviewt Mr. Darcy).

Die Drehbuchautoren stellte dieses Interview allerdings vor ein Problem. Wie sollte diese Szene filmisch umgesetzt werden? Bridget Jones interviewt den echten Colin Firth – unmöglich im Film, denn der echte Colin Firth spielte im Film ja schon Mark Darcy!

Letztendlich ließ man das Interview im Film einfach weg – was auch ok ist, denn die vielen Anspielungen auf Pride & Prejudice und das nasse Hemd hätte der durchschnittliche Kinogänger wahrscheinlich sowieso nicht verstanden ... Als Bonus für Darcymaniacs gibt's auf der DVD von 'The Edge of Reason' ein Mini-Interview von Bridget Jones (Renée Zellweger in der Verkleidung von Bridget Jones) mit Colin Firth (Mr. Firth himself ohne die Verkleidung von Mark Darcy). Ganz nett, aber kein Vergleich mit dem Original-Interview im Roman ...

Mit Filmen wie Trauma und Girl with a pearlearing hat Colin Firth längst klar gemacht, dass ihn die verstörten, düsteren Rollen viel mehr interessieren als die Herzensbrecher (aber man muss ja zwischendurch auch mal Geld verdienen ...)

 

 

 

 

Auch für 2005 steht ein Film der Kategorie 'Film Noir' auf dem Programm. Unter der Regie des kanadischen Erfolgsregisseurs Atom Egoyan spielt er neben Kevin Bacon in Where the Truth lies. Ein Film, der die dunkle Seite von Ruhm, Geld und Erfolg aufzeigt.

Heißt dass, dass jetzt wirklich Schluss ist mit Mr. Darcy oder zumindest ähnlichen Rollen? Na ja, nicht ganz (Gott sei Dank!). Es hatte wohl einige Anläufe gebraucht, aber schließlich schaffte es Emma Thompson doch noch, Colin Firth dazu zu überreden, in ihrem Film Nanny McPhee Vater von sieben (!) schwierigen Kindern zu spielen. Immer wieder hat er mir gesagt, dass er keine netten Menschen mehr spielen will, erinnert sich Emma Thompson. Schließlich hat er dann aber doch nachgegeben, nach viel Betteln, viel Geld und vielen Gefälligkeiten ..., scherzt Emma.

Und auch weitere wunderbare, romantische Komödien wie Love Actually oder Mamma Mia! zählen zu seiner Vita.

 

Dass Colin Firth ohne Zweifel Hollywood und damit den internationalen Film erobert hat, bewies er spätestens im letzten Jahr mit seiner Hauptrolle in A Single Man. Basierend auf der Romanvorlage von Christopher Isherwood erzählt er in atemberaubend eleganten Bildern eine berührende Geschichte über die Liebe, die Einsamkeit und die Trauer. A Single Man wurde auf dem letzten Filmfest in Venedig umjubelt, Colin Firth als Bester Darsteller mit dem Goldenen Löwen geehrt. Auch die Kritiker sind von dem Film begeistert und besonders Colin Firth geriet spätestens von da an immer wieder in ihren Blickwinkel.

 

 

Sein (vorläufiges) Meisterwerk legte Colin Firth im Jahr 2010 ab, als er mit der Hauptrolle in The King's Speech die Fans und Kritiker gleichermaßen begeisterte. Wie er die quälenden Selbstzweifel und die Panik eines stotternden Monarchen mit jeder Faser seines Körpers spürbar macht, wie er die Sprachstörung mit atemberaubender Präzision herausarbeitet, ohne je in Effekthascherei zu verfallen oder die Figur der Lächerlichkeit preiszugeben – all das lässt den Zuschauer sprachlos vor Staunen zurück. Verdienter Lohn: Colin Firth gewann im Jahr 2010 im Grunde alle wichtigen Preise der Filmwelt: SAG-Award, BAFTA, Golden Globe und endlich auch den verdienten Oscar, für den er bereits im letzten Jahr für A Single Man nominiert war.

 

 

 

Mehr zu Colin Firth

colinfirth.com - a fansite

 

Colin Firth - Inside the Actors Studio

Host James Lipton welcomes Colin Firth. 
The British star discusses his life and career.

 

 

 

 

 

 

Bridget Jones interviewt Mr. Darcy