Pride & Prejudice

 

- Meine Interpretation -

 

Neue Nachbarn - Ein abgelehnter Tanz und seine Folgen



Pride &
Prejudice 

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Pride & Prejudice

(Stolz & Vorurteil)

Zusammenfassung und Interpretation anhand von

Jane Austens Original Pride and Prejudice, der deutschen Ausgabe Stolz und Vorurteil

und der Original BBC-Verfilmung Pride and Prejudice von 1995  
nach dem Drehbuch von Andrew Davies

Mit Illustrationen von Charles E. Brock und Fotos der BBC-Verfilmung

 

*******

 

Zwei begehrte Junggesellen

Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass ein Junggeselle im Besitz eines schönen Vermögens nichts dringender braucht, als eine Frau.

Mit diesem Satz, einem ihrer berühmtesten und meist zitiertesten Sätze überhaupt, eröffnet Jane Austen ihren wenn vielleicht nicht besten so doch populärsten Roman. Und schon ist in einem Satz alles gesagt, worum es in diesem Buch geht, nämlich: Wer heiratet wen?

Wir lernen das Schicksal der Familie Bennet kennen, die mit fünf Töchtern aber leider keinem Sohn und Erben gesegnet ist. Mr. Bennet ist dieses Problem natürlich bekannt, dass nach seinem Ableben ein entfernter Verwandter seine Familie aus dem Haus jagen kann, sobald es ihm passt, dennoch zeichnet ihn trotz seines wendigen Geistes und sarkastischen Humors eine erstaunliche Untätigkeit aus - es ist nicht unbedingt sein Art, tätig zu werden, wenn er eigentlich handeln sollte.

Ganz anders seine Frau, Mrs. Bennet, die bei den allgemeinen Charakterisierungen immer sehr schlecht wegkommt. Ok, sie ist eine Frau von schwacher Intelligenz und geringen Kenntnissen, eine dumme Pute sozusagen, doch sieht sie sehr wohl, dass es zwingend notwendig ist, ihre fünf Töchter standesgemäß unter die Haube zu bringen - eine echte Lebensaufgabe, schließlich hat man ja als Gattin eines angesehenen Gutsbesitzers sonst den ganzen Tag lang nicht viel zu tun ...

Die Protagonistinnen dieser Lebensaufgabe könnten unterschiedlicher nicht sein. Elisabeth, die Zweitälteste, ist ganz eindeutig Mr. Bennets Lieblingstochter, gescheit, hübsch und an Beweglichkeit und Auffassungsvermögen ihren Schwestern überlegen.
Seine Frau sieht das allerdings anders (wahrscheinlich hat sie dabei auch den Heiratsmarkt im Hinterkopf und weiß genau, worauf die so begehrten jungen Männer achten). Jedenfalls ist Elisabeth ihrer Meinung nach nicht halb so hübsch wie Jane und nicht halb so angenehm in ihrem Wesen wie Lydia. Wir werden später noch sehen, dass Lydia ihr ausgemachtes Lieblingskind ist (ja, ja, ganz die Mama in früheren Zeiten ...) Aber Mr. Bennet sieht das sachlicher, er weiß, dass Elisabeth und zumindest auch noch Jane Grips im Kopf haben, aber Mary und vor allem die beiden Jüngsten Kitty und Lydia zwei der albernsten Mädchen im ganzen Land sind.

Dennoch wittert Mrs. Bennet endlich eine Chance auf eine gute Verheiratung zumindest eines ihrer Mädchen, als sie die Nachricht erreicht, dass das benachbarte Gut Netherfield gerade neu verpachtet wurde, an einen jungen Mann, Charles Bingley, dazu noch Junggeselle und - das wichtigste! - reich! Ein Junggeselle im Besitz eines schönen Vermögens .... und was braucht der noch zu seinem vollkommenen Glück? Na eben, siehe oben ...

 

Im Gegensatz zum Buch spannt uns der Film bzw. Andrew Davie's Drehbuch bis zum Kennenlernen der beiden männlichen Protagonisten, Darcy und Bingley, nicht so lange auf die Folter, denn gleich die Eingangsszene gehört den beiden männlichen Hauptcharakteren.

Es ist ein großer Verdienst von Andrew Davies, dass er grundsätzlich für das Drehbuch die spritzigen Dialoge aus dem Roman hat bestehen lassen und nur, wenn die Verfilmung es nötig machte, einige feine, pointierte Szenen hinzugefügt hat (siehe auch P & P - Die Verfilmung). Ein Musterbeispiel hierfür ist unsere erste Begegnung mit den beiden Hauptcharakteren.
Wir sehen Bingley und seinen Freund Darcy heranreiten und einen Blick auf Bingleys zukünftige Gut Netherfield werfen. Und gleich wird die Beziehung zwischen beiden deutlich, in der der eine (Bingley) -  charmant, freundlich und liebenswürdig - sich so gerne von der Meinung seines Freundes (Darcy) - mürrisch und mit verschlossener Miene - beeinflussen lässt.

Begeistert beschreibt Bingley Darcy seine neue Heimat, die von der Kamera wirklich allerliebst eingefangen zwischen den Bäumen hervorragt:

It's a fair prospect! ruft Bingley begeistert aus. 
Pretty enough, I grant you.
Darcy ist nicht so schnell zu beeindrucken.
Bingley weiß auch wieso: It's nothing to Pemberley, I know. But I must settle somewhere!
Und fragt dann gespannt: Have I your approval?
Worauf Darcy nur etwas davon murmelt, dass die Gesellschaft auf dem Lande doch etwas savage, also 'wild' wäre.
Aber Bingleys Begeisterung tut dies keinen Abbruch: 
Country manners? I think this is charming!
Und bei soviel Begeisterung kann Darcy ihm nur seine Absolution geben: Then you better take it!

Was erfahren wir nicht alles in dieser kurzen Szene!

  1. Bingley ist ein überaus positiver Mensch, der in allem nur das Beste sieht.

  2. Sein Freund Darcy scheint wohl eher den negativen, zurückhaltenden Part zu übernehmen.

  3. Bingley ist zwar reich, hat aber noch nicht das passende Haus gefunden, um endlich sesshaft zu werden (was zu einem angesehenen Mann einfach dazugehört.)

  4. Netherfield ist zwar groß und schön anzusehen aber scheinbar nichts gegen Darcy's Besitz Pemberley - ein Einblick in die Vermögensverhältnisse der beide.

  5. Bingley legt sehr viel Wert (ist vielleicht sogar abhängig davon) auf Darcys Meinung.

Gleichzeitig sieht man in dieser Szene die zweitälteste Bennet-Tochter, Elizabeth, durch die Landschaft springen und hüpfen, ein Naturkind also, ein Kind dieser 'wilden Gesellschaft'. Beschwingt vom Anblick der galoppierenden Pferde läuft sie nach Hause um dort von ihrer Mutter die Neuigkeiten von der Verpachtung von Netherfield zu erfahren...

Und noch eine entscheidende Szene ist im Film eingefügt, die die konkreten, wenn auch für ihre gesellschaftliche Stellung etwas zu romantischen, Vorstellungen von Jane und Lizzy über Ehemänner und die Liebe verdeutlichen. Im Gegensatz zu ihrer Mutter, der es in erster Linie darum geht, dass ihre Töchter gut versorgt sind, sind sich die beiden sicher, nur dann zu heiraten, wenn Liebe und Respekt zueinander besteht. Wozu Lizzy dann allerdings spöttisch bemerkt: Then I will end up as an old maid ...

Das erste große Fest lässt nicht lange auf sich warten und endlich haben die gesamte Familie Bennet und die Dorfgemeinschaft Gelegenheit den so begehrten Junggesellen samt Verwandtschaft und Bekanntschaft kennenzulernen.

An dieser Stelle sollte einmal erwähnt werden, dass Jane Austen den ersten Entwurf ihres Romanes 'First Impression' genannt hatte, 'Erster Eindruck' also - um nichts anderes geht es auf diesem ersten Ball!

Bingley selbst, der begehrte, reiche, Junggeselle, wird als Mann mit angenehmen Äußeren beschrieben, der sich zwanglos und natürlichgibt. Und Mr. Hurst, Bingleys Schwager, der im Buch kaum drei Worte zu sagen hat und im Film eigentlich nur dadurch auffällt, dass er gerne einen über den Durst trinkt und irgendwo schlafend in der Ecke liegt, sah aus, wie ein Gentleman eben aussieht. Ist das jetzt ironisch gemeint, Miss Austen?

Und dann Mr. Darcy, Mr. Bingleys bester Freund! Schnell macht es die Runde, dass er ein sehr vermögender Mann ist und sogleich wird er mit Attributen wie "eine schöne Gestalt", "edle Züge", "viel hübscher als Bingley", "stattlich" und "männlich" belegt. Wow! Geld macht sexy - und das auch schon vor 200 Jahren.
Aber stopp! Wir wollen nicht so streng mit unserer Dorfgemeinschaft sein! Denn nachdem sie - mit freundlicher Unterstützung von Lizzy - herausgefunden hatte, dass Darcy gleichzeitig auch ein hochnäsiger, stolzer Mann ist, viel zu blasiert, als dass er sich hätte wirklich amüsieren können, und dazu (wir kommen gleich dazu) noch Lizzy so schändlich hat abblitzen lassen wandelt sich das Bild sehr schnell. Plötzlich hat er ein unangenehmes Gesicht und war überhaupt der stolzeste und unangenehmste Mann der Welt. Nun, wie es scheint sind die Bewohner von Meryton in der Änderung ihrer Meinungsbilder nicht zimperlich!

Und was sollen wir jetzt glauben?

 

Abgelehnt!

Ich kann es nicht ausstehen, wie du hier so albern alleine herumstehst - tanze!

Tja, Mr. Darcy's Benehmen auf diesem ersten Ball - es sollte für ihn ungeahnte Konsequenzen haben ... aber eins nach dem anderen.

Bingley amüsiert sich auf diesem Ball köstlich und man merkt besonders, wie sehr ihm Jane, die älteste Bennet-Tochter, die hübscheste und zugleich seinem eigenen Charakter am nächsten, gefällt. Neben dem Amüsement sollte an dieser Stelle auch ein zweiter Aspekt nicht zu kurz kommen, nämlich der, dass Charles Bingley es durchaus darauf anlegt, bei der Dorfgemeinschaft gut anzukommen und Eindruck zu machen. Er möchte sich schließlich auf Netherfield niederlassen und ist darauf angewiesen, dass ihn die Menschen des Städtchens Meryton mögen, in ihrer Gemeinschaft aufnehmen und respektieren. Bingley's Vater hatte das jetzige Vermögen wohl erwirtschaftet und doch fehlt zum Gentleman ein richtiger Landsitz, also setzt Bingley alles daran, gemocht und respektiert zu werden. Etwas, das Mr. Darcy natürlich nicht nötig hat ...

Aber liebenswert, wie Bingley nun einmal ist, möchte er auch, dass sein Freund ein wenig Spaß an diesem Abend hat. Er fordert ihn auf, ebenfalls einmal zu tanzen, bekommt aber nur zur Antwort: Du weißt, wie ich es verabscheue, wenn ich mit meiner Partnerin nicht näher bekannt bin. Ach, der reiche, stolze Mr. Darcy ist also schüchtern! Gerade wollen wir Mitleid mit ihm haben, als er in seiner, ja, wir wollen ehrlich sein, manchmal etwas großkotzigen Art hinzufügt: Deine Schwestern sind engagiert und sonst ist keine Frau im Saal, mit der zu tanzen nicht eine Strafe für mich wäre ... 

Nun wird ein solcher Satz im allgemeinen ja Darcy's Stolz und Vorurteil gegen die Landbevölkerung zugeschrieben ... aber kann es nicht auch sein, dass dieser Satz gar nicht auf hässliche Landpomeranzen gemünzt ist, sondern dass er damit nur ausdrücken will, wie unangenehm es ihm, der doch nur mit ihm bekannten Damen tanzen möchte, wäre? Also gar keine Beleidigung der anderen Damen, sondern einfach: Ich habe überhaupt keinen Bock zu tanzen und es außerdem, im Gegensatz zu dir, auch gar nicht nötig? Es wird wohl sein Geheimnis bleiben... Denn immerhin macht er, vielleicht um seinen Freund ein wenig milde zu stimmen, einen halbherzigen Versuch, schaut zu Jane hinüber und meint: Du tanzst mit dem einzigen hübschen Mädchen im Saal. Will er etwa seinem Freund, der garade dabei ist, sich in Jane Bennet zu vergucken, die Freundin ausspannen? Da hat er aber die Rechnung ohne Bingley gemacht! Denn hier geht wohl die Freundschaft zu weit, und um Darcy von Jane abzulenken, hat er schnell Ersatz parat, indem er auf Janes Schwester Lizzy deutet, die ja auch sehr hübsch und auf jeden Fall sehr nett ist.

Da einfach zu wenig Herren auf dem Ball waren, hatte Lizzy mit dem Tanzen aussetzen müssen und überhörte nun unglücklicherweise die Konversationen zwischen den beiden Freunden. Darcy ist jedenfalls, nachdem Bingley seine Aufmerksamkeit von Jane weg und zu Lizzy hingezogen hat, vollends bedient, er möchte seinen Freund loswerden und seine Ruhe haben und antwortet vielleicht etwas schärfer, als er es eigentlich vorgehabt hat: Sie ist nicht schön genug um einen Mann wie mich in Versuchung zu führen und ich bin augenblicklich nicht in der Stimmung, mich um junge Damen zu kümmern, die von anderen Männern sitzen gelassen worden sind. 

Oh la, la, Mr. Darcy!
Spricht so ein Genleman? Nun wir wollen ihm zugute halten, dass er von Bingley genervt war, dass er von dem ganzen Abend genervt war und wohl auch lauter geredet hatte, als er es eigentlich wollte. 
Denn letztlich waren die Worte ja nicht wirklich für Lizzys Ohren bestimmt, sondern für seinen Freund Bingley, der ihm mit seiner Aufforderung zum Tanz tierisch auf den Keks ging. Um dies noch zu untermauern sagt er abschließend: Geh also lieber wieder zu deiner Tänzerin (...), mit mir vergeudest du nur deine Zeit.
Nein, Mr. Darcy, es war nicht nett, was du da über Elisabeth gesagt hast, dennoch wollen wir dir, zumindest ein wenig, verzeihen, denn wir wissen, dass deine harschen Worte ja eigentlich für Bingley gedacht waren, den du unbedingt loswerden wolltest...
Was ihm ja übrigens auch gelingt, denn Bingley wendet sich achselnzuckend wieder seinem Vergnügen zu und überläßt Darcy seinem Schicksal ...

Und Elisabeth? Was geht in Lizzy vor, die nun undankbarerweise diesen ganzen emotionalen Müll hatte mitanhören müssen? Wir erfahren zunächst einmal nicht sehr viel von Lizzys Gefühlen außer, dass sie beschließt, das ganze ins Lächerliche zu ziehen und mit ihren Freundinnen darüber zu witzeln. So sehen wir im Film zum Beispiel, wie Lizzy mit verschmitztem Lächeln auf ihre Freundin Charlotte Lucas zugeht, ihr etwas zuflüstert, dabei ab und zu einen Blick auf Darcy wirft, und dann beide anfangen zu kichern. Wo doch Lizzy eigentlich garkeine alberne Kichertante wie ihre jüngeren Schwestern ist ... also, was war geschehen?

 

Nun, wir wagen einfach einmal zu behaupten, dass Lizzy Darcy bei diesem ersten Treffen sehr wohl schon einmal unter die Lupe genommen hat. Für eine gescheite, junge Frau, wie sie es war, muss ein junger Mann - gutaussehend, reich und ihr intellektuell ebenbürtig - einfach interessant sein! So reich ist diese Spezies in Meryton und näheren Umgebung mit Sicherheit nicht gesäht. Also, gucken kann man ja mal ...

Und dann der Schlag in die Magengrube! Alles, was Darcy zu Bingley sagt, münzt unsere Lizzy auf sich, sie fühlt sich augenblicklich zurückgewiesen, erniedrigt und in ihrem Stolz verletzt!
Aber klug wie sie ist, beschließt sie im gleichen Moment: Bevor ich mich hier vor allen zur Lachnummer mache, drehe ich den Spieß doch einfach um! Und das zieht sie so lange durch, bis der ganze Saal über Darcy lacht. Und nicht nur das: In Ihrer Eitelkeit so sehr gekränkt beschließt Lizzy ab sofort, diesen Mann nur noch zu hassen und ihre Abneigung gegen ihn wird schon bald neue Nahrung bekommen. Denn die Zurückweisung D
arcy's nagt an ihr. So sagt sie noch einen Tag später, als sie ihre Freundin Charlotte besucht:  Ich könnte ihm seinen Stolz leicht vergeben, wenn er nicht den meinen gekränkt hätte.

Dennoch hat dieser Ball auch sein Gutes. Bingley und Jane scheinen sich tatsächlich ineinander verliebt zu haben. Lizzy freut sich für Jane, obwohl sie zu bedenken gibt, dass Jane ja immer nur das Gute in allen Menschen sieht. So auch in Bingley's Schwestern, die Jane schon in ihr Herz geschlossen hat, während Lizzy den beiden doch eher skeptisch gegenübersteht. Sie waren zwar feine Damen aber ihrer Meinung nach auch stolz und eingebildet. Dennoch freut sich Lizzy für Jane und ihre aufkeimende Liebe.

Mr.Collins sucht eine Frau - Wickham flirtet - Darcy auch (Seite 2/6)