Pride & Prejudice

 

- Die Verfilmung 2005 -

 



Elizabeth Bennet (Keira Knightley)Lizzy Bennet (Keira Knightley) spaziert dem Sonnenuntergang entgegen - um es gleich vorweg zu nehmen, die Kameraführung ist durch den gesamten Film hindurch einen wahre Augenweide. Von stimmigen Naturschauspielen bis zu den berühmten Tanzszenen wird alles in wunderschöne Bilder eingefangen - einfach ein Genuss.

Aber ich greife der Geschichte voraus. Zuerst einmal sind wir bei unserer Lizzy, dem Naturkind - aber intellektuell! Denn wie sie da so schön durch die Natur wandert liest sie gleichzeitig (und da möchte man doch gerne mal nachfragen, wie sie dass denn eigentlich macht?) ein Buch.  

Langsam geht sie durch den Vorgarten ihres Heimes Longbourne. Ein fast 'normaler' Landsitz, eher ein großer Bauernhof, als ein Großgrundbesitz und auch schon ein wenig heruntergekommen. Die weiße Wäsche flattert vor dem Eingang, eine Schar Gänse muss erst vertrieben werden, bevor man ins Haus gelangt und ab und zu spaziert auch schon mal ein gut gemästetes Schwein durch den Hausflur. Wir sind bei den Bennets angekommen.

Die Neuigkeiten über Mr. Bingley, den neuen Besitzer von Netherfield Park und Junggeselle noch dazu, spricht sich auch hier schnell herum, besonders aufgeregt sind natürlich die fünf Mädels aus dem Bennet Haus, allen voran aber Mutter Bennet (Brenda Blethyn), die endlich eine ihrer Töchter unter der Haube sieht. Den Vater (Donald Sutherland) scheint das ganze allerdings weniger zu tangieren. Dafür albern und giggeln die Mädchen umso lauter, vor allem, wo gerade der nächste Dorfball vor der Tür steht. Nicht ausgenommen die beiden ältesten, Lizzy und Jane (Rosamunde Pike).

Der Dorfball ist tatsächlich sehr imposant und überaus gut besucht. Ein großes Orchester spielt, laute Musik schwingt durch den Saal und die Tänzer springen und hüpfen, als wollten sie dem 'Lord of the Dance' Ensemble Konkurrenz machen.

Dann plötzlich wird alles ganz still, denn Charles Bingley (Simon Woods), der neue Besitzer von Netherfield, betritt den Raum. An seiner Seite seine Schwester Caroline und sein bester Freund, Mr. Darcy (Matthew MacFadyn) . Bingley sieht zwar auf den ersten Blick nicht älter aus als Sechzehn und könnte auch mal einen neuen Haarschnitt vertragen, ist aber aufgeräumt und fröhlich und gewinnt unsere Herzen sofort.
Und Mr. Darcy, nun, er ist eben Mr. Darcy – obwohl, eigentlich auch nicht so richtig. Er ist zwar zugeknöpft und steif, wie wir ihn kennen, aber keineswegs arrogant oder gar unhöflich. Maulfaul und (wie wir später lernen werden) schüchtern vielleicht, aber es gibt keine Szene, in der er irgendjemanden brüskiert oder gar einfach stehenläßt. Ein echter Aristokrat eben.

So läßt es sich Lizzy, mutig wie sie nun einmal ist, auch nicht nehmen, ihn quasi von sich aus zum Tanzen aufzufordern.
'Tanzen Sie, Mr. Darcy?' fragt sie ihn lächelnd (sie lächelnd übrigens ziemlich viel in diesem Film).
'Nicht, wenn es sich vermeiden läßt,' antwortet dieser bestimmt, aber keineswegs unhöflich.
Und auch seinem Freund Bingley macht Darcy wenig später klar, dass er Lizzy nicht gerade für einen flotten Feger hält, was Lizzy wiederum zwar hört aber scheinbar nicht so tragisch nimmt.

Aber immerhin finden die schöne Jane und Bingley aneinander Gefallen , was sich nach einem längeren Aufenthalt Janes und Lizzys auf Netherfield zu bestätigen scheint.

Unterdessen kündigt sich neuer Besuch in Longbourne an. Mr. Collins (Tom Hollander), Cousin der Bennet-Mädchen, sucht - mit einer Pfarrei unter der Protektion der hochwohlgeborenen Lady Catherine de Burgh und als zukünftiger Erbe von Longbourne - eine Frau. Er hat einen Blick auf Jane geworfen, aber Mrs. Bennet treibt ihm diese Flausen schnell aus dem Kopf, worauf er sich an Lizzy heranmacht. Nun ja, wo das endet, wissen wir ja ....

Und dann trifft auch noch die Garnison in Meryton ein. Ihr Einzug wird in der Tat sehr imposant von der Kamera eingefangen. Ein großes Heer voller zerstreuungswilliger Rotröcke - merkwürdig nur, dass wenig später kaum mehr etwas von ihnen übrig bleibt.
'Die Garnison' bleibt für den Zuschauer ein sich versteckendes Heer, von dem man kaum Notiz nimmt .... ach ja, ein gewisser George Wickham betritt dann doch noch kurz die Szene, obwohl man im ersten Moment denkt, es ist Orlando Bloom ...  Aber nein, es ist tatsächlich Wickham, den Lizzy in einen kleinen, koketten Schlagabtausch verwickelt.

Im Gegensatz zu dem drögen Darcy kontert Wickham geschickt, was Lizzy durchaus gefällt. Und nach nicht einmal einer halben Minute hat Wickham ihr auch schon seine ganze leidige Lebensgeschichte erzählt. Man kommt im bequemen Kinosessel fast außer Atem, bei dem Tempo, das hier vorgelegt wird.

Es folgt der große Netherfield Ball. Einer der Höhepunkte des Films! In - wieder einmal - wunderbaren Bildern eingefangen schwebt die Kamera von Raum zu Raum, folgt Lizzys suchenden Augen nach Wickham, der nicht erscheint. Und dann kurz hintereinander zwei herrliche Tanzszenen, ganz unterschiedlich interpretiert - einmal überaus witzig, einmal seeeehr romantisch.

Denn wie schwieirig eine Unterhaltung während eines Tanzes im Grunde ist, wird sehr spassig von Lizzy, Jane und Mr. Collins in Szene gesetzt.

Anschließend der große Moment: Der Tanz zwischen Lizzy und Mr. Darcy.

Eine wunderschöne Idee, die beiden erst als zwei Tänzer in der Menge zu zeigen, um sie dann am Ende scheinbar allen entrückt, ganz alleine durch den Saal schweben zu lassen.

Aber die Wege aller trennen sich schon bald.
Nach Mr. Collins abgelehntem Antrag flüchtet dieser beleidigt in die Arme von Lizzys Freundin Charlotte, die Netherfielder verschwinden mit lahmen Erklärungen nach London und auch von Wickham ist weit und breit nichts zu sehen.

Hast-du-nicht-gesehen ist es Frühling geworden!  

Lizzy besucht Charlotte ( wir erinnern uns, die neue Mrs. Collins) und flugs steht auch schon der erste Besuch bei Lady Catherine de Bourgh (Judy Dench ist Judy Dench, mehr braucht man dazu wohl nicht zu sagen) auf dem Programm. Wir sehen sehr schnell, dass diese Frau zwar unheimlich reich ist, aber überhaupt keinen Geschmack hat, so überladen und pompös wirken ihre Räume (und sie selbst im übrigen auch).

Auch Mr. Darcy und sein Vetter Col. Fitzwilliam sind bei ihrer Tante zu Gast und kurz darauf kommt es zu dem von uns allen so geliebten unglücklichen Heiratsantrag.
Dummerweise hat Lizzy gerade von Fitzwilliam erfahren (in der Kirche, während Mr. Collins predigt!), dass Mr. Darcy tatsächlich Bingley und Jane auseinander gebracht hat und da ist ja auch noch, wie Lizzy nicht vergessen hat, die wahrhaft traurige Lebensgeschichte des Mr. Wickham, an der Darcy ja ebenfalls nicht ganz unschuldig ist.

 

Also fällt Lizzys Antwort auf Darcys so gegen seinen eigenen Willen hervorgebrachten Antrag wie wir es kennen entsprechend negativ aus. Eine traumhafte Kulisse mit einem Tempel auf einer Anhöhe und prasselndem Regen, der sehr schön die Tränen zweier Unglücklicher symbolisiert, runden diese wunderbar gelungene Szene ab.

So sieht FRAU nach einem Heiratsantrag aus ...

Und auch die folgende Szene, in der Lizzy scheinbar stundenlang in den Spiegel schaut und Darcy schließlich in der Nacht erscheint, um ihr seinen Brief vorzulegen, ist wunderschön, symbolisch-stimmig erzählt. Man sollte sich bei dieser Szene wirklich nicht mit dem Gedanken daran aufhalten, wie es Mr. Darcy denn wohl nachts in Lizzys Zimmer geschafft hat ... dafür ist der Augenblick einfach zu perfekt!

Die Dinge nehmen ihren Lauf. Auf Pemberley gibt es schließlich ein Wiedersehen zwischen Darcy und Lizzy, wobei vor allem die 'Guckloch-Szene' sehr gut gelungen ist.

Leise Gefühle scheinen sich anzubahnen, als der Brief von Jane mit der Mitteilung, dass Wickham mit Lydia durchgebrannt ist, dazwischenfunkt.

 Wir sitzen im Publikum und zucken die Schultern ob des großen Dramas, das sich da vor uns abspielt. George Wickham sehen wir im ganzen Film tatsächlich nur zweimal, die Entführung Georgianas hat im Grunde niemals stattgefunden und die (wie wir später erfahren) durch Mr. Darcy arrangierte Hochzeit zwischen Wickham und Lydia dauert weniger als eine Minute. Die ganze Sache läßt uns ziemlich kalt ...

Aber uns bleiben ja noch die vier Hauptprotagonisten, die uns nicht enttäuschen. Charles Bingley kehrt nach Netherfield zurück, an seiner Seite Mr. Darcy. Und nachdem er Jane noch einmal besucht hat (wunderbare Szene, wie die Bennet-Damen von den Herren überrascht werden!) ist er sich sicher, dass er sie heiraten möchte und probt mit Mr. Darcy - der den Mr. Bennet gibt - den Heiratsantrag. Köstlich!

Lady Catherine hat anschließend ihren großen Auftrag - umsonst, wie wir wissen.

Der vielleicht schönste Moment des Films gehört Lizzy und Darcy. Leichte Nebel wallen im Morgengrauen, als der schlaflosen Lizzy über die Wiese ihr Traummann entgegenkommt. Ein wunderschöner Augenblick, auch wenn böse Zungen meinen könnten, dass Darcy hier den Heathcliff probte ... Kleiner Wermutstropfen nur die anschließend etwas lahmen Worte der beiden. 'Ich konnte nicht schlafen.' 'Ich auch nicht.' Nun ja, aber die Bilder sprechen für sich.

Mr. Bennet kam während der ganzen Geschichte etwas kurz, aber ihm gehört die letzte, durchaus gelungene und witzige Szene des Films.

Und dann ist Stolz & Vorurteil auch schon zu Ende.

 

Wir hätten gerne noch weiter zugeschaut ...  

 

Resumée

Einen Jane Austen Roman in einen zweistündigen Spielfilm zu pressen ist gewiss nicht leicht, aber hier durchaus gelungen. Natürlich muss einem klar sein, dass man Abstriche machen muss, an Figuren, Szenen und Dialogen. Alles ist kürzer, straffer und manches Mal vielleicht ein wenig zu rasant. Grundsätzlich ist dies aber alles kein Problem. Das größte Problem ist bei dieser Verfilmung das fast komplette Fehlen von George Wickham. Er ist doch eigentlich eine sehr zentrale Figur, der immer irgendwo die Fäden zieht, aber das alles spielt hier kaum eine Rolle. Darum zuckt man auch nur kurz die Schultern über sein Verhalten und widmet sich lieber wieder den Hauptpersonen.

Keira Knightley ist wunderbar als Lizzy, sie trägt im Grunde den Film. Sie ist mit ihrem hellen Lächeln und den großen Kulleraugen auf dem besten Wege, die neue Wynona Ryder zu werden und versteht es famos, ihre sich wandelnden Gefühle auf die Leinwand zu übertragen.
Matthew MacFadyn steht ihr in nichts nach. Er interpretiert seinen Mr. Darcy mit einer vornehmen Zurückhaltung, kurz angebunden und wortkarg vielleicht, aber z. B. nicht so aggressiv wie der manchmal etwas übellaunig daherkommende Colin Firth in der 1995er Version. Die Kamera versteht es außerdem sehr gut, Darcy immer in sehr stimmigen Situationen (der Heiratsantrag im Regen, seine Briefübergabe 'durch den Spiegel', der Spaziergang im Morgennebel) gekonnt in Szene zu setzen.
Was ein wenig fehlt ist die rechte Chemie zwischen den beiden Protagonisten. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass ihre gemeinsamen Szenen für einen echten Darcymaniac einfach zu kurz kommen. Da wundert es einen am Ende fast, dass Darcy Lizzy tatsächlich nochmal einen Antrag macht...

Alle Protagonisten spielen wunderbar und mit viel Spaß an der Sache, allen voran Mrs. Bennet, Lady Cathrine und Mr. Collins. Besonders Tom Hollander verkörpert den Mr. Collins ganz vorzüglich. Er gibt den leicht trotteligen, der Obrigkeit hörigen Pfarrer mit viel Sensibilität und vermeidet alle Übertreibungen, ohne unglaubwürdig zu wirken. Köstlich die Szene auf den Netherfield Ball, wo er sich unter allen Umständen mit Mr. Darcy bekannt machen will. Wickham wiederum bleibt leider einfach zu blass, um tatsächlich über ihn ein Urteil abgeben zu können.

 

Ein (kleiner) Vergleich

Natürlich ist es müßig darüber zu diskutieren, ob Jennifer Ehle 1995 nicht vielleicht doch schon zu alt war oder ob Keira Knightley zu flachbrüstig ist, ob die Jane von heute zehnmal schöner ist als die von vor zehn Jahren, ob Matthew MacFadyn eindrucksvoller aus dem Morgennebel steigt als Colin Firth aus dem See .... aber ein kleiner Vergleich darf erlaubt sein!

Irgendwie hatte man an vielen Stellen des Films den Eindruck, dass man sich in diesem Film - mit Erfolg - alle Mühe gemacht hat, bloß keinen Gedanken an einen Vergleich mit der 1995-Verfilmung aufkommen zu lassen.
Da sich die 1995er Version nun aber sehr detailgetreu an die Vorlage gehalten hat, wirken die jetzt vorgenommenen Veränderungen manchmal etwas fehl am Platz und ungewollt komisch.

Ganz besonders auffallend ist dies in Pemberly. Hier bewundert Lizzy ja eigentlich das schönes Bildnis von Mr. Darcy (und verliebt sich auch ein bisschen darin). In diesem Film wandert sie durch einen seltsam seelenlosen Raum mit weißen Statuen und ihr Blick versinkt letztendlich in einer kreideweißen Büste des Hausherren, der dazu noch nicht einmal Augen hat! Spoooooooky ....   

Anscheinend wollte man die Geschichte auch für ein junges Publikum zugänglicher machen, konnte sich aber letztendlich doch nicht so ganz dafür entscheiden. So entstand eine manchmal etwas verwirrende Mixtur aus Jane Austens Worten und 'moderner' Sprache.

Dass ein knapp zweistündiger Film bei der literarischen Umsetzung nicht mit einer über fünfstündigen Miniserie mithalten kann, versteht sich von selbst und soll hier auch nicht weiter vertieft werden.

Es bleibt festzuhalten, dass dies auf alle Fälle ein schöner, stimmiger und bildgewaltiger Film ist (hier wirklich nochmals ein großes Lob der Kamera). Und wenn es manchmal an der Sprache hapert dann machen die gut aufgelegten Schauspielern von Lizzy Bennet bis Lady Cathrine de Bourgh dies alles sehr schnell wieder wett - am Ende bleibt absolut sehenswerte, kurzweilige Unterhaltung.

Ehm .... vielleicht doch noch ein allerletztes Wort zu Mr. Darcy und Mr. Darcy ...
Meiner Meinung nach braucht Colin Firth sich keine Gedanken machen - seine wohlverdiente Auszeichnung als DER Mr. 'I will conquer this, I will' Darcy ist nicht in Gefahr ...

 

Darcy oder Darcy?

 

Ihr hattet das letzte Wort und Ihr habt über ein halbes Jahr lang abgestimmt!

Vielen Dank für Eure rege Beteiligung - hier das Ergebnis!

 

 

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